Am Ende der Kolonne der aus den Baracken von Birkenau hinausgejagten tyrannisierten Häftlingsfrauen schleppten sich die Kranken und Schwangeren dahin, denen es an der elementarsten ärztlichen Betreuung fehlte. Diese verelendeten, leidenden menschlichen Skelette quälten sich, in viel zu karge Kleidung gehüllt, seit vielen Monaten hungernd, einen Laib vertrocknetes Schwarzbrot unter den Arm gepreßt, mit großer Mühe durch die Schneewehen. Oft stolperten sie über erfroren am Boden liegende, verschneite Häftlingsleichen.
Ich erinnere mich, wie wir uns am Abend des ersten Tages irgendeiner Siedlung näherten. Vor uns zeichnete sich die dunkle Silhouette einer Anhöhe ab, oben darauf ein beleuchtetes Haus.
Plötzlich vernahmen wir das Schreien einer Häftlingsfrau, bei der die Geburtswehen eingesetzt hatten. Da sie nicht mehr weiter konnte, stieg sie in den Straßengraben und setzte sich hin. Uns packte Entsetzen. Wir konnten ihr nicht die geringste Hilfe leisten, denn wir verfügten über gar nichts, und außerdem durfte man nicht stehenbleiben. Die Mutter der Schwangeren wollte bei der kreißenden Tochter bleiben, wurde aber von einem SS-Mann weggestoßen und kehrte verzweifelt in die Kolonne zurück.
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Die hitlerschen Schurken schenkten aber selbst einer gebärenden Frau nicht das Leben! Nachdem wir ein gutes Dutzend Schritte zurückgelegt hatten, hörten wir die Schüsse des SS-Mannes, der die kreißende Frau und das Kind in ihrem Schoß ermordete. Das war für uns - vor allem für die Schwangeren - ein furchtbares Erlebnis!!!
Quelle: APMAB. Komplexe Erklärungen, Bd. 91, S. 10. Bericht der ehemaligen Gefangenen des KZ Auschwitz Alina Cielemiêcka-Naci±¿ek, Häftlings-Nr. 87947, die - selbst schwanger - auf den "Todesmarsch" geschickt wurde.
Am 18. Januar abends, als aus der Ferne deutlich das dumpfe Grollen der Frontartillerie zu hören war, trieb man unsere mit erwachsenen Häftlingen vermischte Kolonne ins Stammlager Auschwitz I. Unterwegs brannten in der Nähe des Wachgebäudes offene Feuer mit Unterlagen über die Ermordeten; man verbrannte die sogenannten Totenmeldungen.
(...) In der frostklaren, funkelnden Januarnacht brach der Todeszug auf dem schlesischen Weg nach Westen auf, eskortiert von den an den Seiten marschierenden SS-Posten mit Karabinern in den Händen. Nach ein paar Kilometern Marsch Nebenstraßen entlang kamen wir an den Leichen erschossener Frauen vorbei, denn vor uns wurden Häftlingsfrauen dahingetrieben, und diejenigen, die keine Kraft mehr hatten, wurden unterwegs ermordet. (...)
Morgens ging der Marsch weiter. Bis heute habe ich immer noch den erschütternden Anblick der quer auf der Chaussee liegenden Leiche einer Frau mit zerschmettertem Schädel vor Augen. Wir mußten über sie hinwegspringen, und die Militärfahrzeuge fuhren darüber hinweg. (...)
Nach dem ganztägigen Marsch trieb man uns spät abends in eine große Scheune, wo wir, zu Tode erschöpft, in tiefen Schlaf verfielen. Es war noch dunkel, als man uns morgens aus dem Schlaf riß und zum Weitermarsch antrieb. Ich hatte große Schwierigkeiten, die gefrorenen Gamaschen über die Füße zu streifen. Das kostete mich viel Kraft. Und wieder kämpfte sich der lange Elendszug den ganzen Tag hindurch über die verschneite schlesische Straße, lediglich zu zwei oder drei kurzen Verschnaufpausen halt machend. Die Nacht verbrachten wir ebenso auf irgendeinem Gehöft, um am frühen Morgen wieder aufzubrechen.
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Wir waren uns über das Tragische unserer Lage klar. Viele von uns hatten keinen einzigen Bissen Brot mehr, und die SS-Leute fragten die Waggons ab: "Wieviel Tote?" Wir überlegten uns, ob es nicht besser gewesen wäre, aus dem Waggon zu springen und durch eine Kugel zu sterben, als den Hungertod zu erleiden. Schließlich fuhr der Zug nachts los und machte morgens, am siebten Tag der Evakuierung, auf einem größeren Bahnhof in der Tschechoslowakei (Bogumin) halt. Dort warfen uns die Bewohner einige Brote in den Waggon, und das munterte unsere Kräfte deutlich auf. An diesem Tag fuhr der Zug mit Volldampf weiter, unsere Laune verbesserte sich, und nach mehreren Stunden befanden wir uns auf dem Boden Österreichs. (...)
Am Nachmittag des 25. Januar 1945 erreichte der Transport den Bahnhof Mauthausen. Nur mühsam krochen wir aus den Waggons und zogen auf einem schwierigen Weg bergan durch die Stadt in Richtung Lager, bespuckt und mit Schneebällen beworfen von braungekleideten Hitlerjungen.
Quelle: Lech Szaw³owski, Z prze¿yæ warszawskich dzieci w obozach hitlerowskich (Über die Erlebnisse Warschauer Kinder in NS-Lagern), in: "Przegl±d Lekarski - O¶wiêcim", 1972, Nr. 1, S. 161f. Erinnerungen des zwölfjährigen Leszek Szaw³owski, ehemaliger Häftling der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (Nr. 192799), Mauthausen und Melk.
Fotos: Am 27. Januar 1945 aus dem KZ Auschwitz befreite Kinder. Die unmittelbar nach der Lagerbefreiung gemachten Aufnahmen zeigen gerettete Kinder, mit ihrem Schicksal verknüpfte erhaltene KZ Objekte sowie Sachen ermordeter Kinder.





























































